Newsletter
Termine, Berichte, Impressionen und mehr...unser TSGB-Newsletter. Jetzt anmelden!
Veranstaltungen und TermineJahresabschluß 2010Beginn: 27.11.10, 19:30 Anmeldeschluss: 27.11.10, 19:00 |
| Standard & Latein Tanzkreis |
|
|
|
Die Standard-Tänze
Aus der Fülle von "Schiebe- und Wackeltänzen", die vor und nach dem Ersten Weltkrieg Mode wurden, kristallisierten sich in den 20er Jahren vier Turniertänze heraus, die 1929 in England festgelegt wurden und damals ihre noch heute gültigen Namen erhielten: Langsamer Walzer bzw. English Waltz, Tango, Slow Foxtrott und Quickstep. Der Wiener Walzer war 1932 nur in Deutschland Turniertanz und kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg als international anerkannter fünfter Standard-Tanz hinzu, nachdem sich dieser Tanz durch Paul Krebs (Nürnberg) und Karl von Mirkowitsch vom Drehtanz mit Figuren zum sportlichen Schwungtanz entwickelt hatte. Langsamer Walzer (Der English Waltz) Turniertempo 28-30 Takte pro Minute, Metronomzahl 84-90. Hat mit dem Wiener (schnellen) Walzer eigentlich nur den Dreivierteltakt gemeinsam. Im Turnierprogramm steht der Langsame Walzer an erster Stelle und hinterlässt bei Publikum und Wertungsrichtern den vielleicht entscheidenden ersten Eindruck. Er ist ein Nachfahre des "Boston" und wurde von den Engländern zu seiner heutigen Form entwickelt. Schwung und Drehung, die beiden Grundelemente des Standardtanzens, sind beim Langsamen Walzer am deutlichsten zu erkennen. Weil der Schwung in jedem Takt neu erzeugt, ausgeführt und in einer Schwebephase abgebremst werden muss, gilt der Langsame Walzer mit seiner ausgeprägten Pendelbewegung wohl als der schwierigste der Standardtänze. Tango (Der zwiespältige Tanz) Turniertempo 31-33 Takte pro Minute, Metronomzahl 124-132. Die ursprüngliche Tangomusik ist im 2/4-Takt geschrieben, wurde aber in Achtelnoten gespielt. In der heutigen Tanzmusik ist auch der 4/4-Takt üblich. Je nach Vorgabe durch die Musik gilt die Metronomzahl dann für Achtel- oder auch für Viertel-Noten. Der Ur-Tango mit dem Beinamen "argentino" zeigt sein Herkunftsland an. Kein anderer Tanz umfasst eine derartige Vielfalt an Bewegungsformen und Haltungen. Bei der Trennung von Standard und Latein in den fünfziger Jahren zögerte man lange, ehe man den Tango endgültig den Standard-Tänzen zuordnete. Auffallend beim Tango sind die schnellen Aktionen und die oft verhaltenen Pausen, deren Wechselspiel den Reiz des Tanzes ausmachen. Von den anderen Standardtänzen unterscheidet er sich dadurch, dass er ohne das sonst charakteristische Heben und Senken getanzt wird und dass ihm die "Bewegungskette" fehlt, die man als "Schwung" bezeichnet. Diese "Schwung-Verhinderung" erfordert ein Höchstmaß an Kontrolle. Der gute Turniertänzer wechselt gekonnt zwischen Ruhe und Dynamik, zwischen Spannung und Entspannung. Nur mit optimaler Körperbeherrschung und ohne verkrampft zu sein, gelingen die reflexartigen, publikumswirksamen Bewegungen, speziell des Kopfes. Wiener Walzer (Der berühmte Dreivierteltakt) Turniertempo 58-60 Takte pro Minute, Metronomzahl 174180. Der Wiener Walzer ist der Beitrag der deutschsprachigen Länder zum Turniersport. Der älteste aller Turniertänze war als "Dreher", "Ländler" oder "Langaus" oft etwas verpönt, bis er durch die Strauß-Dynastie hoffähig wurde. Der Nürnberger Tanzlehrer Paul Krebs hat ihm die heutige Turnierform gegeben. Von dem "schwingenden" Langsamen Walzer unterscheidet er sich durch die allgemein vorherrschende rotierende Bewegung. Sein Schwung resultiert aus den vorwärts strebenden Drehungen. Es gibt beim Wiener Walzer auffallend wenig verschiedene Schritte; trotzdem erfordert es viel Übung und Fleiß, sie meisterlich vorzuführen. Wichtig für die Beurteilung ist insbesondere, dass man die Übergänge von der Rechtsdrehung zur Linksdrehung und umgekehrt beherrscht. Darüber hinaus benötigt man eine gehörige Portion Kondition, um das schnelle Tempo des Tanzes mit aller gebührenden Eleganz durchzustehen. Slow Foxtrott (Der englische Turniertanz im Viervierteltakt) Turniertempo 28-30 Takte pro Minute, Metronomzahl 112-120. Seine Vorfahren sind "Onestep" und "Rag". Von seinem Charakter her ist er zurückhaltend elegant und gilt als der Klassiker unter den Tänzen des "englischen Stils". Im Tempo hat er gewisse Ähnlichkeit mit dem Langsamen Walzer. Jedoch wie dort die Pendelbewegung typisch ist, will man hier eine langgestreckte Wellenbewegung erkennen können. Der kontinuierliche Bewegungsfluss charakterisiert den Slow Foxtrott, ebenso wie fließende Posen, in denen der Bewegungsfluss fast, aber doch nicht ganz zum Stillstand kommt. Die hohe Kunst zeichnet sich dadurch aus, den am meisten auf natürlichen Gehbewegungen beruhenden Tanz nicht langweilig wirken zu lassen. Raumgewinn, Musikalität und Lässigkeit müssen gleichermaßen gezeigt werden. Quickstep (Der Spaßmacher unter den Standard-Tänzen) Turniertempo 50-52 Takte pro Minute, Metronomzahl 200-208 (Viervierteltakt). Beeinflusst durch den Charleston entwickelte sich der Quickstep aus dem Slow Foxtrott. Als Geburtsjahr nimmt man 1927 an. Beim Quickstep gibt es keine Zeit für Pausen. Dynamik und Geschwindigkeit sind Trumpf. Das Tempo wird gelegentlich bis zur Rasanz gesteigert. Ein bisschen Leichtigkeit, ein bisschen Humor, hier und da kleine eingestreute "Kunststückchen" machen den Quickstep oft zum Publikumsliebling. Alles sollte im Fluss - und trotz des hohen Bewegungsvolumens - auch locker bleiben. Beschwingt, voller Übermut und guter Laune regt er immer wieder zu neuen Schrittvariationen an. Bei jedem Turnier ist ihm der Applaus auf "offener Szene" gewiss.
Die Latein-Tänze
Die ganze Bezeichnung lautet "Lateinamerikanische Tänze", was aber ebenfalls ungenau ist, weil sie im strengen Sinne nur auf die afro-kubanischen Tänze (Rumba, Mambo) und die brasilianische Samba zutrifft, während der Paso Doble aus Spanien (Frankreich) und der Jive aus Nordamerika stammen. Die Weichen zur Standardisierung der Lateintänze wurden um 1960 gestellt. Vorher waren sie Modetänze, von denen keine Stabilität erwartet wurde. Noch 1969 waren die Lateintänze nur eine Erweiterung oder ein Anhängsel der Standardtänze. Doch bereits ein Jahr später erhielten "Lateintänzer" ein eigenes Startbuch. Zwar wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nationale und internationale Meisterschaften in den Lateinamerikanischen Tänzen ausgetragen, der Deutsche Tanzsportverband konnte sich aber lange nicht dazu entschließen, da eine einheitliche Bewertung zu problematisch erschien. Erst nach zwei "Bundesqualifikationen" 1960 und 1961 fand in Stuttgart 1962 die erste Deutsche Lateinmeisterschaft statt, allerdings noch ohne Jive; der kam erst 1973 hinzu. Die erste Deutsche Kombinationsmeisterschaft über zehn Tänze wurde beim Schwarz-Weiß Club in Reutlingen 1974 ausgetragen. Samba (Der dynamische, progressive Südamerikaner im Zweivierteltakt) Turniertempo 50-52 Takte pro Minute, Metronomzahl 100-104. Die Samba stammt in ihrer stationären Grundform aus Brasilien bzw. aus uralten Kreistänzen der Bantu-Neger und wurde in Europa zum variationsreichen Turniertanz entwickelt. In Wiegeschritten und Voltadrehungen, Rollen und Promenadenläufen bewegen sich die Paare wellenförmig und raumgreifend durch den Raum. Während die Wellenbewegungen früher nur aus einem Erheben im Bein kam (Bounce), wird sie heute auch durch die Bauchmuskulatur erzeugt (im Englischen: contraction and release). Charakteristisch für die Samba sind vor allem die Schritte im Zickzack-Muster (Botafogos) sowie die Samba-Rolle, die als eine der wenigen Lateinfiguren in engem Körperkontakt getanzt wird. Die Samba mit ihrer reichhaltigen rhythmischen Gestaltung des Zweivierteltakts ist ein Tanz, der Lebenslust ausdrückt und vermitteln will. Cha-Cha-Cha (Der fröhlich-freche Bewegungstanz) Turniertempo 30-32 Takte pro Minute, Metronomzahl 120-128 (Viervierteltakt). Er stammt aus Kuba, wurde von Enrique Jorrin (u.a.) aus dem Mambo entwickelt und 1957 von Gerd und Traute Hädrich nach Deutschland "importiert". Der Cha-Cha hat viele Elemente aus anderen Tänzen in sich aufgenommen, besonders aus Jazz, Beat und Disco. Seinen Grundcharakter, der ihn bei allen Alterstufen zum beliebtesten Lateintanz macht, hat er dabei nicht verloren. Im Cha-Cha-Cha kommen übermütige Ausgelassenheit und koketter Flirt zum Ausdruck. Beine, Arme, Hände und Finger: der ganze Körper ist in ständiger Bewegung! Insbesondere die flinken Beinaktionen sind typisch für diesen Tanz, ebenso wie die schnelle Triple-Bewegung auf dem vierten Viertel eines Taktes und dem ersten Viertel des folgenden Taktes (Chassé-Schritt). Cha-Cha-Cha ist ein amüsantes Spiel zwischen Zuwendung und Abwendung, Verschwinden und Wiederkommen, ein Tanz, fröhlich, keck, perlend wie Sekt und mit einem guten Schuss Augenzwinkern. Rumba (Der erotische Werbetanz, ausdrucksstark und voller Hingabe) Turniertempo 25-27 Takte pro Minute, Metronomzahl 100-108 (Viervierteltakt). Die Rumba entstand aus dem Mambo-Bolero und ist mit der Habanera verwandt. Sie ist ein afro-kubanischer Werbungstanz. In Deutschland wurde die Rumba 1932 ins Turnierprogramm aufgenommen, ab 1934 wieder verdrängt und nach dem Krieg dann wieder entdeckt. Rumba ist der Klassiker unter den Lateintänzen, erfordert große Ausdruckskraft und Sparsamkeit der Mittel. Im Turniertanz hat sich der Cuban-Style durchgesetzt, nicht der nach dem Zweiten Weltkrieg beliebte Square-Style. Nach den beiden schnellen Bewegungstänzen strahlt die Rumba eher Ruhe aus, wobei die durch Gewichtsverlagerung erzeugte rotierende Hüftbewegung (in Form einer liegenden Acht) die Grundstruktur des Tanzes ausmacht. Die relativ langsame Musik ermöglicht den Tänzern das volle Auskosten jeder Bewegung. Die Dame schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen "Zuneigung" und "Selbstherrlichkeit". Dieses Rollenspiel sollte gekonnt und überzeugend rüberkommen - und dies setzt in aller Regel auch eine harmonische Paarbeziehung voraus. Paso Doble (Die dramatische Stierkampf-Pantomime) Paso Doble (Der Stierkampf) Turniertempo 60-62 Takte pro Minute, Metronomzahl 120-124 (Zweivierteltakt). Er ist eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfes mit Einschluss von Flamenco-Elementen. Die Musik, ein spanischer Marschtanz, besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten, nach denen sich die Choreographie richtet. Es gibt für diesen Tanz nur relativ wenige Musiktitel; oft wird das Stück "Espana Cani" gespielt - was wiederum die Choreographie ziemlich vereinfacht. Der Paso Doble ist der Lateintanz, bei dem am meisten Elemente aus den Standardtänzen eingebaut und verwendet werden. Beim Paso Doble (Spanisch: Doppel-Schritt) stellt die Dame nicht den Stier dar, sondern das rote Tuch des Toreros, Herr und Dame bewegen sich also gemeinsam um einen imaginären Stier. Der Herr: hochmütig, stolz, kühn, entschlossen, die Dame: selbstbewusst, distanziert, wendig, heißblütig. Typisch sind kurze, schnelle Bewegungen und kontrolliert gehaltene Posen. Getanzt wird in geschlossener Tanzhaltung, bei der die Arme durch den Körperabstand einen Kreis bilden. Der Tanz erfordert große Präzision, eiserne Disziplin und einen durchgehaltenen starken Muskeltonus. Jive (Lebensfreude pur - der Tanz für Junge und für's Jungbleiben) Turniertempo 42-44 Takte pro Minute, Metronomzahl 168-176 (Viervierteltakt). Er wurde als "Jitterbug" und "Boogie-Woogie" (später auch "Bebop") um 1940 von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht, in England zum Jive entwickelt und schließlich in das Turnierprogramm der Lateintänze aufgenommen (Profis national 1968, Amateure national 1973, international 1976). Mit ihrer Off-Beat-Betonung auf "zwei" und "vier" verrät die Musik ihren afrikanischen Ursprung. Der Jive bringt robuste Lebensfreude zum Ausdruck. Er war der "Tobetanz" der Vor-Beat-Generation, aus dem sich auch der akrobatisch-athletische Rock'n'Roll entwickelt hat. Der Unterschied zu den vorigen Tänzen ist gravierend: während man beim Paso Doble stolz, hochaufgerichtet und mit durchgedrückten Knien tanzt, steht man nun mit vorgeneigtem Oberkörper und in den Knien wippend auf der Tanzfläche; im Gegensatz zur Rumba mit ihrem erotischen Grundcharakter herrscht hier pure Dynamik vor. Jive ist ein Rausch an Bewegung und Spiel der Glieder und des ganzen Körpers. Er ist ein Tanz, dessen Rhythmus und Kraft mitreißt und der sich überaus publikumswirksam präsentiert.
|




